Mit “Helau” und “Hipp Hipp Hurra” – 1. Treppenfastnacht im MRV

  • 11.02.2019

Werner Ott

Wenn die Bootshaus-Gastronomie in Urlaub geht, feiert der Kreis um die ehemaligen Montags-Ruderer seit 6 Jahren eigene gastronomische Urstände. Die Freunde schaffen Tische und Bänke aus den Bootshallen auf die Zwischengalerie. Deftig und reichhaltig wird aus mitgebrachten Körben aufgetafelt. Die fröhliche Tischrunde, Ruderer & Hockeyspieler, aus MCV & MCC, Prinzen- und Ranzengarde, schwelgt in gemeinsamen Erinnerungen aus Jahrzehnten. Dann die Frage: „Warum mache mer denn nit e eigene Sitzung?“ Dies ist die Geburtsstunde der Ersten Mainzer Ruderverein-Treppenfastnacht im Bootshaus am 23. Januar A.D. 2019 zu Gunsten „Rudern gegen Krebs“ und der Stiftung „Leben mit Krebs“.

Treppenfastnacht

Priska Gerster

Das Organisationsteam unserer Ruderkameraden Lothar Both, Wolfgang Hillen, Jürgen Petry (Ranzengarde) und Bernd Bossmann, Philipp Grebner, Karl Neger (Prinzengarde) mietet den oberen Saal bei der Bootshausgastronomie an, erstellt nach bestem Wissen ein Abendprogramm und legt für jeden Besucher ein Liederheft aus, welches im Impressum vermerkt, dass dieses Heft im Eigentum des Mainzer Rudervereins von 1878 bleibt und ausschließlich zu internen Zwecken im Bootshaus genutzt werden darf. Es bietet gut aufgemacht auf 28 Seiten die einmalige Zusammenfassung aller vertrauten Sitzungslieder aus der 2. Hälfte letzten Jahrhunderts. Als ich dem neben mir sitzenden Staatsanwalt gestehe, dieses Heft unbedingt klauen zu wollen, zerstreut er meine Bedenken mit „Das überliest man! Ich nehm’s auch mit.“

Die mit ihrer Anzahl von 8 x 11 den Saal füllenden Gäste treffen ein, überwiegend kostümiert, aber auch reichlich in Rekrutenmontur der Prinzengarde. Als Abendessen wird serviert ein üppiger Teller mit Tartar auf Wachtelei, Matjeshering, Frikadelle auf Gonsenheimer Kartoffelsalat und Mainzer Handkäs‘ garniert auf Salatblättern in feinem Dressing; dazu ein gutes Getränkeangebot, dieses zu üppigen Preisen.

Daniel Grave

Ein Pianist begleitet zu den nunmehr einsetzenden Gesängen aus dem Liederheft. Noch nie habe ich mit Vergnügen so viele Lieder mitgesungen, von denen jedes einzelne beste Erinnerungen hervorrief. Dazwischen lockern mit ihren Vorträgen auf: Priska Gerster, die Enkelin von Johannes Gerster, als Altstadt-Queen; Werner Ott als Fastnachtspräsident; Markus Schwalbach „Beim Einkauf auf dem Markt“; Mathias Bott als Fleischworscht und Daniel Grave als MRV-Ruderer. Das Publikum lacht immer wieder erheitert.

Mit Gesangsdarbietungen erfreuen der Chor des Jung-MRV und mit ihrem gekonnten Finale ein Mischchor aus Sängern der Mainzer Corporationen Bohnegarde, Füsiliere, Ranzengarde und Schwarze Husaren in ihren adretten Uniformen.

Es ist eine richtige Fassenachtssitzung. Sehr still wird es, als Karl Neger das Mikrofon in die Hand nimmt, kurz mit seinem Blick die Runde streift und dann das „Heile, heile Gänsje“ seines Vaters singt. Der Saal ist sichtlich ergriffen. Mein erstes Highlight des Abends, das zweite spare ich mir für den Epilog auf.

Das Musik- und Trommlercorps der Ranzengarde marschiert unter klingendem Spiel ein, hell ihre Lyren. Das Männer-Ballett der Prinzengarde beeindruckt durch artistische Einlagen. Unter ihrem rythmischen Aufstampfen auf dem Boden fängt dieser an zu vibrieren. Der Staatsanwalt zerstreut auch hier meine statischen Bedenken. Lothar Both leitet dezent und gekonnt den Ablauf der Sitzung und beendet sie aus der Ecke des Saales unprätentiös mit seinem wohlwollenden Zuruf „Kommt gut heim!“ Ein wunderschöner Abend im Kreise guter Freunde klingt aus.

Epilog

Ende der 50er Jahre war ich noch Gardist der Mainzer Prinzengarde. Mein weitläufiger Cousin Seppel Gerster bot mir an, für ihn als Ersatz im Offizierskorps der Mainzer Ranzengarde mitzureiten. Ich nahm gerne an und wurde von dem damals Kommandierenden General Kurt Seiffert und seiner Entourage herzlich aufgenommen. Damals schloss ich auch die Freundschaften mit Gerd Brandel, Rainer Laub und Franz Schäfer, die mein ganzes Leben lang anhalten sollten. In der Prinzengarde wurde mein Zwischenspiel mit Entsetzen registriert und ich im folgenden Jahr sofort in das Offizierskorps übernommen. Den Orden von Kurt Seiffert trage ich jedoch seither immer mit Stolz an meiner Uniform.

Mit der Ambivalenz beider Garden wusste ich immer gut umzugehen bis zur Treppenfastnacht: Das Musik- und Trommlercorps der Ranzengarde setzte nach der Darbietung seines Gardemarsches erneut an und schnürte mir die Kehle zu und trieb mir Tränen in die Augen als es den „Bruckerlager-Marsch“, unseren Prinzengarde-Marsch, intonierte. Wieder schlug die Stimmung im Saal um in eine überwältigende Woge der Brüderlichkeit. Danke, Freunde, für diesen Abend!

Werner Winter