Stolz und mit neuen Zielen

Von Tommy Rhein

RUDERN Lea-Katlen Kühne kehrt zufrieden von der Ruder-WM zurück / Mit Olympia bereits den nächsten Traum im Blick

MAINZ – Wenn man schonmal dort ist, bietet sich ein Urlaub ja direkt an. Entsprechend verlängerte Lea-Katlen Kühne ihren Aufenthalt in den USA nach der Ruder-WM in Sarasota einfach um eine Woche und erkundete noch ein bisschen den Bundesstaat Florida. „Der Sommer war so lange, da tat das mal richtig gut“, freut sich die WM-Sechste im Zweier ohne.

Doch auch die Ereignisse während der Weltmeisterschaft bleiben Kühne nachhaltig im Gedächtnis. „Ein Traum ist wahr geworden“, erzählt sie und wirkt dabei auch zwei Wochen nach dem Finalrennen von Sarasota noch stolz und sichtlich beeindruckt von den Ereignissen. Nach einem mehr als überzeugenden Hoffnungslauf zog Kühne dort gemeinsam mit Melanie Hansen (Celler Ruderverein) ins A-Finale ein und durfte sich mit der absoluten Weltspitze messen. „Eine Ehre“, sagt Kühne, „besonders gemeinsam mit den Weltrekordhaltern aus Neuseeland aufs Wasser zu gehen.“ Zwar endete das A-Finale mit einem mehr als deutlichen Rückstand auf die anderen Boote – aber letztlich ist es eben der Hoffnungslauf, der Kühne im Gedächtnis bleibt.

„Unser Finale war bereits am Mittwoch, dort haben wir zur richtigen Zeit unser bestes Rudern abgerufen“, sagt sie. Mindestens Rang acht wollten Kühne und Hansen erreichen, und mit dem Einzug ins A-Finale war dieses Ziel bereits übertroffen. „Wir sind offensiv gefahren, haben wunderbar funktioniert“, erklärt Kühne. Und dann kam der Moment nach dem Rennen, als sie realisierte, welchen Erfolg sie gerade erreicht hatte. „Das war der Wahnsinn“, blickt sie zurück.

Und das Ergebnis einer monatelangen Vorbereitung. „Seit Mai war ich im Prinzip ständig in Trainingslagern oder anderen Maßnahmen in Deutschland und Europa unterwegs“, blickt Kühne zurück. Gemeinsam mit Hansen hat sie sich ganze zehn Wochen auf die Weltmeisterschaft vorbereiten können. „Am Ende wurden wir von Krankheiten ausgebremst“, sagt Kühne. Sie selbst erwischte es noch vor der WM, Hansen dann praktisch direkt nach der Ankunft in Florida. Entsprechend ist auch der sichtbare Kräfteschwund nach dem starken Hoffnungslauf zu erklären.

Bis Weihnachten Zeit, um die eigenen Akkus aufzuladen

Kühne braucht nun jedenfalls eine Pause. „Ich bin froh, jetzt mal bis Weihnachten in Mainz zu sein und im heimischen Umfeld trainieren zu können“, sagt sie. Währenddessen gelte es auch, mit den Trainern die nähere Zukunft zu besprechen. „Ich bin gespannt, wie die Pläne für die nächsten ein bis drei Jahre aussehen werden“, sagt Kühne. Natürlich ist Olympia 2020 dabei das große Thema, daraus macht sie auch keinen Hehl. „Das ist vom Traum längst zum Ziel geworden“, sagt sie. Eines, dass sie jedoch alleine nicht erreichen kann. „Ich kann so gut rudern, wie ich will, aber brauche natürlich mindestens eine Partnerin, die das auch kann“, erklärt sie. Wer das künftig sein wird, ist aktuell nicht absehbar.

Das Rudern wird Kühne also noch ein paar Jahre begleiten, auch wenn sie dadurch auf Stipendien und Förderung angewiesen ist. „Es ist für mich natürlich jedes Jahr aufs Neue eine Entscheidung, die ich treffen muss“, sagt sie, „aber bislang treffe ich diese bewusst für den Sport.“ Rückhalt ist dabei ein starkes, familiäres Umfeld, das die Sportlerin bei all ihren Entscheidungen unterstützt – und ihr nun auch die nötige Ruhe gibt, um etwas abzuschalten. Denn das nächste Trainingslager kommt bestimmt. „Wahrscheinlich schon gegen Silvester“, sagt sie.

Stolz und mit neuen Zielen (Allgemeine Zeitung, 14.10.2017)